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{die smf kolumne} Liebling, reich‘ mir doch mal die Salzstreuerinnen!

Die Kolumne auf soulsister meets friends

Stellen wir uns vor, wir sitzen sonntags gemütlich beim späten Frühstück. Die Sonne scheint auf die dritte Tasse Kaffee und wir köpfen gerade das perfekt gekochte Frühstücksei. Soweit so gut. Und was ist mit dem Salz? Ginge es nach Marlies Krämer, müsste die korrekte Frage am Frühstückstisch wohl zukünftig lauten: „Liebling, reichst du mir mal bitte die Salzstreuerinnen?“

Frau Krämer beklagt sich. Über die deutsche Grammatik und die ihr innewohnende fehlende Wertschätzung des weiblichen Geschlechts. Darüber, dass die Formulare ihrer Sparkasse keine spezifischen Gender-Endungen aufweisen. Soweit so gut. Aber: die Dame tut das nicht etwa im Kreise ihrer Freundinnen … nee, nee … die gute Frau lässt es gleich richtig krachen: sie klagt offiziell. Erst beim Landgericht Saarbrücken, dann beim Bundesgerichtshof. Kann man machen, muss man aber nicht.

 

Die Kolumne auf soulsister meets friends

 

Versteht mich nicht falsch: Gleichberechtigung sollte selbstverständlich sein. Ein korrekter Sprachgebrauch ist zumindest wünschenswert –  letzerer liegt mir als Linguistik-StudentIN und RedakteurIN sowieso am Herzen. Aber wenn wir schon ungeahnte Kosten in Kauf nehmen, um unwichtige Formulare zu erneuern, möchte ich die totale Gleichberechtigung. Bitte auch eigene Wortendungen für alle Trans- und Intersexuellen … und all jene, deren Gender nicht binär zuordnungsfähig ist (fluid, omni, queer und so weiter). Wenn dann eine einfache Banküberweisung mal locker drei Seiten hat ist das zwar nicht bequem, wirtschaftlich totaler Wahnsinn aber immerhin sprachlich voll korrekt. Wenn schon, denn schon!

Zum Glück hat der Bundesgerichtshof kürzlich* das generische Maskulinum als Wortendung, die alle Menschen gleichzeitig meint, bestätigt. Soweit: gut so!

* Der BGH hat die Klage von Marlies Krämer am 13.03.2018 abgelehnt.

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10 Kommentare

  1. Danke liebe soulsister,

    Herzlichen Dank, you made my day.

    „Reich mir bitte die Salzstreuerin..“

    DAS wird hier zum geflügeltem Wort 😉😘

  2. Ich bin für geschlechtsübergreifende Bezeichnungen – die schließen nämlich alle ein. Statt Kontoinhaber könnte ich mir gut Kontoname vorstellen. Das generische Maskulinum hat ausgedient.

    Sandra
    auch Linguistin.

    • Ich bin sehr für Gleichberechtigung, auch in der Sprache, aber dieses ganze Gender-Getue finde ich doch an den meisten Stellen eher nervig. Geschlechterübergreifende Bezeichnungen gerne da, wo sie sinnvoll sind und klingen, aber nicht, wenn die Sprache einfach so lange verbogen wird, Hauptsache wir werden (vermeintlich!) „der guten Sache“ gerecht.

      Es erscheint mir – nicht nur bei diesem Thema – doch oft so, als würden Probleme um der Probleme willen herbei- und groß geredet.

      Danke für deinen Artikel dazu, liebe Katrin.

      • liebe Anni,
        schön, das meine Kolumne dir gefallen hat. Ich stimme dir zu: Gender-Ednungen bitte da, wo sie nützlich sind und die Sprache nicht unnötig kompliziert machen. Eigentlich doch ganz einfach, oder?
        herzlichst Katrin

    • liebe Sandra,
      ich fühle mich vom generischen Maskulinum eher ein- als ausgeschlossen. Mein Fokus in Sachen Gleichberechtigung liegt in anderen Bereichen. Aber das sieht eben jede/r anders … und das ist auch gut so. Hauptsache mann kann drüber reden und im Zweifelsfall auch mal drüber Lachen.
      herzlichst Katrin

  3. Michaela sagt

    Danke… Genauso. Ich muss nicht genderspezifisch angesprochen werden. Ich will gleichberechtigt behandelt, bezahlt werden
    LG
    Michaela

    • liebe Michaela,
      ganz genau das. Gleichberechtigung sollte selbstverständlich sein … ist es aber immer noch nicht überall. Wir arbeiten dran, oder?
      herzlichst Katrin

  4. Obwohl ich mich viel mit (beruflichen) Texten befasse, ist mir der Begriff „generisches Maskulin“ tatsächlich noch nie untergekommen. Ich wende Sprache intuitiv an und bin als Schweizerin mit hochdeutsch sowieso in einer „Fremdsprache“ unterwegs – obwohl diese natürlich sehr geläufig ist. Wir sprechen sie aber nicht und haben im Dialekt eine andere Grammatik und andere Begriffe.

    Was ich aber fühle, ist, dass ich mich persönlich durch das generische Maskulin tatsächlich nicht angesprochen fühle. Kann ein generisches Maskulin männliche wie weibliche Personen meinen? Zurück zu meinen beruflichen Texten: Dazu gehören auch Weisungen an einen grösseren Personenkreis. Ich hüte mich davor hier das generische Maskulin zu verwenden, und schreibe in „du oder wir“-Form oder dann an „Kundenbetreuende“ (und nicht Kundenbetreuer).

    „Liebling, reich‘ mir doch mal die Salzstreuenden!“ Na ja 🙂 :-).

    Humorvolle Grüsse, diese aber nicht von einer Linguistenden (erinnert mich an eine Pastasorte), auch nicht von einer Schweizenden (was da wohl die Autokorrektur draus macht? Jedenfalls nicht Schweizerin, oder gar Schwitzerin), sondern schlicht von Sibylle

    • liebe Sibylle,
      danke für den schönen Kommentar … die Sache mit der Anrede hat es mittlerweile echt in sich, oder? Ich persönlich fühle mich durchaus bei Begriffen mit maskuliner Endung, z.B. Journalist oder Blogger angesprochen. Aber das ist ja gerade das Gute an der Sprache: da hat jeder sein eigenes Gefühl dafür.
      herzlichst Katrin

      PS: Das mit der Pasta ist genial. Das kriege ich nie wieder aus dem Kopf!

Was sagst du dazu? Ich freu’ mich auf deinen Kommentar …

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